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#Sprachsalat: So schmeckt Portugiesisch

Seit 30 Jahren werde ich gefragt, wie ich es ohne Fisch in Mitteleuropa aushalte.

Und tatsächlich, es ist für mich schwer ohne die guten Fische aus dem Atlantik, die frischen Meeresfrüchte und den für Portugal so berühmten Bacalhau (gesalzener Stockfisch)  auszukommen.

Da ich jedoch bis vor Kurzem kein Fleisch mochte, fehlten mir vor allem die Aromen von gutem und zum Teil hier nicht erhältlichen Gemüse wie Grelos, Nabo oder Nabiças und Couve Galega. Außerdem sind mir die leckeren Oliven, der Schafskäse aus dem Süden und das herrliche Olivenöl abgegangen. Mit der Couve Galega macht man das berühmte Caldo Verde und dazu gibt es Broa (Maisbrot).

Dann wären da noch die vielen Süßigkeiten, wie z.B. die Ovos Moles. Das ist Eidotter mit Zucker in unglaublich vielen Variationen. Eine von vielen Erklärungen für die Entstehung von Ovos Moles ist lustig. Die Nonnen in den Klöstern brauchten Eiweiß um ihre Hauben zu stärken (igitt) und der Eidotter blieb übrig.
Im Norden werden diese Köstlichkeiten in Porto u.a. mit Portwein verfeinert, in Aveiro in Muschelförmchen aus Oblatenteig gehüllt und im Süden mit Mandeln und Marzipan gemischt.

Meinen Bedarf an Kalorien muss ich unbedingt in Lisboa decken: Alcôa oder die Casa dos Ovos Moles... Die sogenannten Pastéis de Nata oder de Belém kann ich zum Glück entweder selber backen oder in der Landstrasse im Nata finden. Dort gibt es auch Salziges: Pastéis de Bacalhau (frittierte Kroketten aus Kartoffeln, Zwiebeln und Stockfisch) und Empadas (gefüllte Teigtaschen). Im Lokal Lisboa Lounge gibt es übrigens die besten Pastéis de Nata in Wien.

Selbstverständlich gibt es in Portugal auch köstliche Fleischgerichte, Eintöpfe und Wurstsorten (Salpicão, Paio, Farinheira, Alheira...). Vegetarische und vegane Speisen sind eher in den größeren Städten zu bekommen.

Dank der engen Beziehungen zum Meer, zu Brasilien und den ehemaligen Kolonien aus Übersee sowie der Nähe zu Marokko und dem arabischen Raum gibt es jahrhundertalte Speisen, die heute eindeutig als „Fusion Kitchen“ bezeichnet werden können. Fleisch oder Fisch mit gegrilltem Obst wie Ananas, Banane und Mango werden mit Kardamom und Koriander gewürzt. Chamuças (indisch Samosa) sind kleine dreieckige frittierte Teigtaschen mit Hühnchen und Curry.

Meine Lieblingsrezepte sind: Sardinhas Assadas com Pimentos  (São João in Porto, Santo António in Lisboa!), Arroz de Marisco (Paella), Carne de Porco à Alentejana (gebratene Schweinefleisch-Stückchen mit Venusmuscheln und Koriander), Pastéis de Bacalhau, Salada de Polvo e Feijão Fradinho (Oktopus mit Augenbohnensalat).

Im Sr. Vinho in Wien kann ich „matar saudades“ - mein Heimweh stillen :)

Ich finde es besonders spannend, dass ein so kleines Land mit so vielen verschiedenen Speisen aufwarten kann.


Ana Pinto Ferreira Hauser unterrichtet Portugiesich am Sprachenzentrum. Der Kursplan für das Wintersemester ist bereits online!