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Himmelbeeren

Mein ganzes Leben lang habe ich Fremdsprachen gelernt. In meinem Repertoire gibt es bereits fünf davon. Deutsch sollte immer meine zweite Muttersprache sein, weil ich in der schönen Stadt Potsdam in Deutschland geboren wurde. Ich lerne seit meiner Kindergartenzeit Sprachen und hatte immer Zeit für neue Sprachen, aber nicht für Deutsch. Ich dachte immer, dass die nächste Sprache genau Deutsch sein würde. Ich habe es immer auf später aufgeschoben, so wie sich Kinder das Leckerste oft für den Schluss aufheben. Viele Leute versuchten, mich davon zu überzeugen, dass Deutsch eine sehr brutale und unhöfliche Sprache ist. Ich konnte ich nicht verstehen, warum sie das sagen.

Die Sprache kann doch nicht brutal sein, wenn sie Beeren so süß als «Himmelbeeren» bezeichnet.
Mein ganzes Leben lang lebte ich in der absoluten Sicherheit, dass die Beere so hieße. Und jedes Mal, wenn ich einen Verkäufer nach Himbeeren fragte, lächelte er mir sehr freundlich zu und antwortete: "Hier sind Ihre Himmelsbeeren. Guten Appetit!"

Ich habe immer gedacht, dass es großartig ist, dass man den Geschmack und das Aussehen dieser Frucht bei der Namensfindung bedacht hat. Denn in der Tat ist die Beere wie eine Wolke und ihr Geschmack ist definitiv überirdisch, fast göttlich. Sehr romantisch.
Allein das Aussprechen des Wortes bewirkt, dass der Tag besser wird. Meine Enttäuschung war groß, als meine Lehrerin mich im Deutschkurs korrigierte und sagte, es sei überhaupt keine Himmelbeere, sondern eine Himbeere. Aber weißt du was? Es scheint mir, dass viele von meinem Wort angetan waren. Ja, und was soll ich sagen, für mich bleibt es immer eine Himmelbeere. Denn ich denke, das ein solcher Name für eine so wunderbare Beere viel besser geeignet ist.

Blogbeitrag von Iuliia Vynarchyk
Kursteilnehmerin an einem Deutschkurs im Sommersemester 2019