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Vom Zuhause-Sein

Eva Mühlbachers erster Blogbeitrag ist online. Aus aktuellem Anlass dreht sich alles darum, zu Hause zu sein.

Teil 1 der Blogserie: "Von Pferden, die auf Zehenspitzen zu Apfelbäumen tänzeln"

Betrachten wir zuerst einmal den Ort „Zuhause“. Wird dieses als Nomen gebraucht, wird ein Artikel davor gesetzt und es wird zusammen und groß geschrieben: das Zuhause. Ist „zu Hause“ aber kein Nomen, sondern eine Ortsergänzung, so wird „zu Hause“ geschrieben, also getrennt. In diesem Fall ist dann „zu“ die Präposition und „Hause“ das Wort „Haus“ in einer altmodischen Form, die nur in diesem Zusammenhang so vorkommt. Der Unterschied also ist: „Das ist mein Zuhause“, aber „Ich bin zu Hause“.

 

Unser Zuhause muss im Deutschen genauer beschrieben werden: wir haben entweder eine Wohnung oder ein Apartment, was das gleiche meint, nämlich eine Entsprechung des englischen „flat“ oder „apartment“. Umgangssprachlich sagen wir „die Wohnung“, also „Das ist meine Wohnung“. „Apartment“ ist der schickere Begriff. Er wird auch dafür verwendet, um auszudrücken, dass ich irgendwo auf Urlaub bin. Bin ich nicht in einem Hotel eingemietet, sondern beispielsweise über Airbnb, so sage ich nicht „Ich habe im Juli eine Wohnung am Meer gebucht“, sondern „Ich habe im Juli ein Apartment am Meer gebucht“. Der Begriff „Wohnung“ ist tatsächlich nur für das Zuhause da, das ich dauerhaft bewohne. Apropos dauerhaft: wenn ich in Österreich sagen will, dass ich zu Hause bin, kann ich auch den Ausdruck „daheim“ verwenden, was so viel bedeutet wie „im Heim“. Das hat aber nichts mit dem Altersheim (der Ort, an dem alte Leute leben, die Betreuung brauchen) zu tun, sondern meint meine „Heimat“. Wenn wir uns lustig machen wollen, sagen wir auch manchmal „mein trautes Heim“, was eine altmodische Umschreibung für den Ort ist, an dem man zu Hause ist und Ruhe und Frieden hat. Wer gelegentlich „dahoam“ hört, findet sich einem Sprecher des österreichischen (oder bairischen) Dialekts gegenüber.

In Italien sagt man „la mia casa“ (wörtlich: mein Haus) zu allem, wo man wohnt – auch, wenn es eine Wohnung ist. Im Deutschen müssen wir klarer unterscheiden. Entweder man spricht von seiner Wohnung oder von seinem Haus. Sage ich im Deutschen „mein Haus“ ist aber ganz klar eine eigene Wohneinheit gemeint, die vielleicht auch noch einen Garten besitzt. Das Haus hat dann in der Regel einen eigenen Eingang und ist ein Einfamilienhaus.

Die Möbelkette IKEA wirbt mit dem Spruch „Weil es dein Zuhause ist“, um anzugeben, dass man auf sein Zuhause aufpassen und ihm nur das Beste (also IKEA-Teppiche) gönnen sollte. Wenn wir so liebevoll über unser Zuhause sprechen, sagen wir auch „die eigenen vier Wände“. Besonders oft wird dieser Ausdruck verwendet, wenn ein junger Mensch zum ersten Mal von zu Hause (also den Eltern) auszieht.

Aber da sind wir schon bei den Bewegungen. Natürlich kann ich mich zu meinem Zuhause hin und davon wegbewegen. Dabei gibt es mehrere Möglichkeiten: ich gehe nach Hause. Die Präposition „nach“ verwenden wir als Richtungsangabe normalerweise dann, wenn danach ein Kontinent, ein Land, eine Stadt oder eine Region folgt. Allerdings nur dann, wenn es keinen Artikel dazu gibt: Also ich fahre zum Beispiel nach Österreich, aber in die Schweiz.
Das Wort Hause hat hier die Funktion einer Ortsangabe. Wir können es sogar als Region begreiffen. Schließlich ist das Zuhause manchmal gar kein Haus, sondern eine Hütte oder ein Zelt. Oder es ist eben ein Haus, aber es hat auch einen Garten. Wenn ich mich im Garten befinde bin ich auch zu Hause, aber nicht im Haus. Genauso könnte ich aber auch Wien als mein Zuhause beschreiben. Dann fahre ich nach Hause und meine damit die Stadt.

Natürlich kann ich auch mein Heim oder meine Heimat verlassen. Dann gehe ich von zu Hause weg. Was in dem Moment genau gemeint ist, ob ein Haus, meine Wohnung, eine Region oder gar ein Land, können wir nur aus dem Kontext wissen.

Ich kann aber auch sagen, dass ich „außer Haus“ gehe. Dabei ist schon klarer, dass ich meine aktuelle Behausung verlasse. „Ich gehe außer Haus“ meint, dass ich länger wegbleiben werde, vielleicht für einen Spaziergang oder auch abends, wenn es gleichbedeutend ist mit „ausgehen“, also Party machen. „Ich gehe aus dem Haus“ bedeutet, dass ich nur jetzt aus dem Haus hinausgehe und gerade die Schwelle übertrete. Das kann ich zum Beispiel dann machen, wenn ich den Hund ausführe. Dazu sagt man „den Hund äußerln führen“, also genaugenommen den Hund „ins Außen führen“. Das „Äußerln“ für „aus dem Haus führen“ kann ich auch als Verb verwenden. Dann gehe aber nicht ich äußerln, sondern der Hund (wichtig! :)). „Ich führe den Hund äußerln“ oder „Der Hund geht äußerln“. Selbstverständlich wird nicht selten der Name des Besitzers genannt und gesagt „Gehst du äußerln?“, wenn ich mich über jemanden lustig machen will.

Gerade aber dürfen wir nicht raus. Ich bin also zu Hause. Dabei kann ich variieren, ob ich sagen möchte „Ich bin zu Hause“ oder „ich bleibe zu Hause“. Aber ich kann auch sagen: „Ich lasse die Schlüssel zu Hause“, was bedeutet, dass ich fortgehe (zum Beispiel mit dem Hund äußerln) und die Schlüssel liegen lasse.

Wir sind also dahoam. Es kann uns passieren, dass wir das Gefühl haben, dass ich mich über diesen Zustand beschwere und sage „Mir fällt die Decke auf den Kopf“. Das ist nicht nur eine verzwickte Satzkonstruktion, sondern auch eine tolle Redewendung. Es meint, dass die Zimmerdecke uns auf den Kopf zu fallen droht; wir also Angst haben, dass uns der Raum, in dem wir uns befinden, zu eng wird.

Und das kann passieren, wenn ich mich nicht mit sinnvollen Dingen beschäftige (oder zumindest mit abwechslungsreichen). Wenn ich zu Hause nichts tue, haben wir mehrere Wörter dafür: „herumsitzen“ zum Beispiel. Wir sitzen also nicht nur, weil wir irgendetwas machen, sondern „wir sitzen herum“, tun also nichts. „Herum“ gibt an, dass nichts ein Ziel hat. Wenn ich um etwas herumgehe, dann komme ich wieder an der Stelle an, an der ich aufgebrochen bin. Alternativ kann ich auch sagen, ich „lungere herum“. „Lungern“ ist ein Wort, das schlampig sitzen meint. Wenn ein Kind nicht ordentlich bei Tisch sitzt, wird es von den Eltern aufgefordert, nicht zu lungern, also gerade zu sitzen (in meiner Generation war das zumindest noch so).

Man kann auch noch „sandeln“ sagen, was allerdings nicht so häufig gebraucht wird. „Sandeln“ heißt eigentlich „am Sand sein“, also alles verloren zu haben. Das Wort wird als Nomen „Sandler“ aber auch für Obdachlose gebraucht. In der Umgangssprache wird es verwendet, ist aber eher abwertend gemeint, deshalb wird es nicht mehr häufig gebraucht. Ähnlich ist das Wort „gammeln“, was von „vergammeln“ kommt und meint, dass Lebensmittel schlecht werden (eine Banane ist schon ganz braun, zum Beispiel).

Und dann gibt es noch das schöne Wort „krochen“, womit wir ganz unten angekommen sind. Wenn jemand „krocht“, „kriecht“ er oder sie, bewegt sich also auf allen Vieren fort. Das Wort kam irgendwann als Tanzstil auf, genau weiß ich es nicht mehr, vermutlich irgendwann in den frühen 2000ern. „Krochen“ ist also ein völlig unkoordiniertes Fortbewegen, das noch dazu nicht wirklich zu etwas führt.

Damit wir aber alle nicht anfangen, zu Hause zu krochen, denken wir noch an ganz viele andere Dinge, die man tun kann: putzen, kochen, essen, schlafen, sich die Zähne putzen, Wäsche waschen, fernsehen, ausmustern (also Dinge wegwerfen, die man nicht mehr braucht), Bilder aufhängen, ausmalen – weil es dein Zuhause ist.


Eva Mühlbacher
Geschichte-Doktorandin und Jungautorin

Eva hat am Sprachenzentrum Italienisch gelernt und während eines Italienaufenthaltes angefangen, ein Buch zu schreiben. Ihre große Leidenschaft gilt - neben dem Schreiben - dem Mixen von Bahama Mama-Cocktails.
 

 

Wir haben sie und ihr Buch kürzlich in einem Interview vorgestellt und freuen uns darüber, dass Eva von nun an regelmäßig für unseren Blog schreiben wird.

Im nächsten Beitrag wird sich alles um das Thema "Gehen" drehen.

#staytuned


Kleines Lexikon

das Haus

Pl.: die Häuser

Bezeichnung für einen Wohnort, der frei steht und einen eigenen Eingang hat

die Wohnung

Pl.: die Wohnungen

Bezeichnung für eine Wohneinheit, von denen es mehrere in einem großen Haus gibt

das Apartment

Pl.: die Apartments

Bezeichnung für Wohnung; auch temporär, im Urlaub

daheim sein

 

zu Hause sein

nach Hause gehen

 

zum Haus/ zur Wohnung gehen

außer Haus gehen

 

weggehen, ausgehen, von der Wohnung/ dem Haus weggehen

„mir fällt die Decke auf den Kopf!“

 

Ausdruck, dass man es zu Hause nicht mehr aushält.

herumlungern/herumsitzen

trennbares Verb, „ich sitze/lungere herum“

es passiert nichts und ich tue auch nichts. Ich kann z.B. auf dem Sofa herumlungern