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Das Glück mit dem Plus+

Grund-, Mittel-, Oberstufe – das waren die 3 Sprachniveaus, als ich vor 33 Jahren mit dem Unterrichten und Prüfen in Deutsch als Fremdsprache begann. Heute kennen Sie die 6 Stufen des Gemeinsamen europäischen Referenzrahmens für Sprachen (GeR). Die Verlage drucken Kursbücher in Halbbänden (A1/1, A1/2 …) und wupps haben wir 12 Stufen. Jetzt sind noch 3 hinzugekommen – was für ein Glück!

Das ist gar nicht ironisch oder zynisch gemeint. Der GeR1 unterstützt Lehrende bei der Planung der Kurse und macht das Vergleichen von Sprachkenntnissen im Kontext von Mehrsprachigkeit möglich. Lernende können ihr Sprachniveau mit den Deskriptoren selbst einschätzen und ihre Lernziele konkret planen, zum Beispiel, indem sie einen bestimmten Sprachkurs auswählen und buchen. Und das ist der Punkt, an dem die Pläne der Lernenden und die Pläne der Lehrenden immer mal wieder auseinanderdriften.

Die meisten Menschen lernen nicht alles gleich schnell. Student*in A kann mit mir schwierige Probleme diskutieren und besteht den Prüfungsteil Schreiben nicht. Student*in B tut sich leicht mit der Grammatik und versteht wenig, wenn ein Podcast läuft. Wir beschreiben dies mit einem Profil2 (wie bei einem Reifen ist es nicht glatt) oder mit einem Spektrum3, bei dem die Bereiche (Stufen) ineinander übergehen.

Eine Stufe A2/1 zum Beispiel, die auf dem Kursbuch aufgedruckt ist, gibt Orientierung, welche GeR-Inhalte auf dem Programm stehen. Am Ende des Kurses ist Student*in C in der Lesekompetenz vielleicht schon fit für B1/1, aber im Sprechen noch immer im Bereich A2/1, weil außerhalb des Kurses alle Englisch sprechen und es zu wenige Möglichkeiten zum Üben gab.

Auch die internationalen Prüfungen vom Goethe-Institut oder ÖSD orientieren sich am GeR. Eine A2-Prüfung testet die Kenntnisse im Bereich A2 und wenn man 60 % der Punkte erreicht, ist die Prüfung bestanden. Und wie geht es weiter? Mit einem B1-Kurs? Die meisten Student*innen entscheiden sich dafür. Je höher die GeR-Stufe ist, umso mehr müssen Sie sich bei dieser Entscheidung fragen, ob eine Phase zum Füllen von Lücken, eine Phase zum Üben, eine Phase zur Vorbereitung von komplexen Lerninhalten notwendig ist – das Plusniveau.

              

 

Was ist das: A2+, B1+, B2+?

Mit der Aktualisierung des GeR kam im Jahr 2020 der Begleitband4 heraus, der deutlicher die Niveaus A2+, B1+ und B2+ als starke Varianten (s. z. B. Anhang 14) beschreibt und auch etliche andere Dimensionen sprachlichen Handelns wie Mediation ergänzt.

Wofür?

Plusstufen bauen eine Brücke zur nächsthöheren Stufe, zum Beispiel ist in B1+ der Umfang von Texten größer als in B1/2 und entlastet dadurch die stark steigenden Anforderungen an Komplexität ab B2. So kann man die Kurse der Niveaus B2 und C1 vorbereiten und dort einen besseren Lernerfolg erzielen. Nach einer Prüfung nötige Wiederholungen von Stufen werden weniger.

Wo?

Das Sprachenzentrum bietet Pluskurse in verschiedenen Formen an, zum Beispiel als Spezialkurs (B2+ Schreiben), als Onlinekurs für die Studienvorbereitung (A2+ Brückenkurs nach bestandener A2-Prüfung), als Trimesterkurs B1+ und B2+ am Abend oder als Intensivkurs B1+ und B2+ im Februar oder im Sommer am Vormittag.

Und Sie?

Mit einem Pluskurs bekommen Sie Sicherheit in der Anwendung der gelernten sprachlichen Strukturen und können sich auf die Herausforderungen in den Kursen der komplexen Stufen gut vorbereiten. In unserem Sekretariat, im Büro der Bereichsleitung oder in der Buchhandlung Facultas am Campus können Sie sich Unterrichtsmaterialien für die Plusstufen ansehen und sich Unterstützung bei Ihrer Entscheidung für die nächste Kurswahl holen.

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Heike Ziehr
Bereichsleiterin Deutsch am Sprachenzentrum der Universität Wien

Heike Ziehr begeistert sich seit 1991 für die praktischen und wissenschaftlichen Aspekte des Unterrichtens und Prüfens von Deutsch als Fremd- und Zweitsprache und sie freut sich, wenn sie unsere Studierenden auf ihrem Weg zum Erfolg beraten kann.
 


Weiterführende Links:

ARRAS U., FISCHER J.: Die Mühen der Ebene … Was ist das Plus in B2+ …? https://www.gast.de/fileadmin/gast.de/GAST/4_PDF/2-Forschung-Entwicklung/Publikationen/Arras-Fischer-2018-Bremen.pdf

Quellenangaben:

https://www.coe.int/en/web/common-european-framework-reference-languages

https://www.klett-sprachen.de/profile-deutsch/t-1/9783126065184

https://www.eaquals.org/wp-content/uploads/The-CEFR-Companion-Volume-Mediation-scales-operationalised.pdf

https://www.klett-sprachen.de/gemeinsamer-europaeischer-referenzrahmen-fuer-sprachen/t-1/9783126769990 (freier Download aller Anhänge des Begleitbandes)

Bildnachweis:

The CERF Spectrum by Peter Brown (Peter Brown, British School FVG – Trieste, for the Council of Europe and published as DGII/EDU/GRAZ(2017)13): https://www.eaquals.org/our-expertise/cefr/

Titelbild: Andrei Ureche/Canva; Profilbild: privat