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5 Fragen an Monica und Oana

Ein Land, zwei Generationen und die Liebe zu Sprachen.

Wir haben unsere Lehrerin für Deutsch und Rumänisch, Oana Hodirnau, und unsere langjährige Admin-Mitarbeiterin, Monica Melega, getroffen, um Sie über ihr Heimatland Rumänien und ihre Liebe zu Fremdsprachen zu befragen.

 

1.  Ihr stammt beide aus Rumänien, aber habt ihr jemals zum selben Zeitpunkt in Rumänien gelebt?

Monica: Ich denke nicht, ich bin 1990 nach Wien gekommen, nachdem ich begriffen hatte, dass die Revolution keine echte Revolution war.

Oana: Ich wurde 1990 geboren. Wir stammen zwar aus Rumänien, aber eigentlich aus zwei verschiedenen Welten. Ich bin in Transsilvanien geboren. Monica kommt aus Bukarest.

Monica: Ja, stimmt.

Oana: Zwischen Transsilvanien und Bukarest gibt es eine gewisse Hassliebe. Siebenbürgen ist die Region, die immer auf die Schaufel genommen wird. Es heißt, dass wir langsamer sind als alle anderen. (lacht)

2. Habt ihr in Rumänien studiert?

Monica: Ja, ich habe in Bukarest Englisch und Französisch studiert. Danach habe ich vier Jahre unterrichtet. Das Studium war wie ein Elitestudium. Es gab sehr strenge Aufnahmeprüfungen. Von den 800 Kandidat*innen wurde nur ein Dutzend akzeptiert. Ich habe mich drei Jahre lang darauf vorbereitet. In meiner Gruppe waren dann sechs Personen. Die Professor*innen haben uns alle gut gekannt und sich wirklich um uns gekümmert.

Oana: Bei mir war das schon ein bisschen anders. Wir hatten keine Aufnahmeprüfung mehr, nur die Schulnoten waren wichtig. Ich habe Germanistik und Skandinavistik in Klausenburg und in Wien studiert. Später entschied ich mich auch Romanistik in Wien zu studieren.

3. Wieso habt ihr euch für Sprachen entschieden?

Oana: Ich war schon in meiner Kindheit von der deutschen Sprache fasziniert. Meine Eltern sprechen zwar kein Deutsch, aber ich war in der deutschsprachigen Gruppe in der Volksschule und danach habe ich weiterhin intensiv Deutsch gelernt. Am meisten hat mir aber das Fernsehen geholfen. Es gab nur zwei rumänische Kanäle. Wir hatten eine Satellitenanlage mit deutschen Sendern und ich habe die Kinderprogramme von KiKa und Pro7 rauf und runter geschaut.

Allerdings wollte ich gar keine Fremdsprachen studieren. Ich wollte Medizin studieren, um Menschen zu helfen. Ich war so fasziniert von den menschlichen Organen und wie sie zusammenarbeiten.
Meine Mutter hat mich zur Sprachwissenschaft überredet. Sie meinte, dass ich auch mit Fremdsprachen Menschen helfen könne. Damit hatte sie recht. Ich liebe es zu unterrichten und das Zusammenspiel der verschiedenen Sprachkomponenten ist ein bisschen wie das Zusammenspiel der Organe.

Monica: Ich habe immer Sprachen und Literatur geliebt. Ich bin mit Französisch aufgewachsen. Bukarest wird auch „Petit Paris“ genannt. In der Generation meiner Eltern war es üblich, Französisch zu sprechen. Viele unserer Künstler*innen und Dichter*innen wurden in Frankreich ausgebildet.

3. Was war euer erster Eindruck als ihr nach Österreich gekommen seid?

Monica: Ich war auf der Flucht. Eigentlich wollte ich gemeinsam mit Freundinnen nach Australien, doch dafür hatten wir nicht genug Geld. Als wir in Wien angekommen sind, wusste ich, dass ich hier leben möchte. Es war Liebe auf den ersten Blick.

Oana: Österreich war das erste Land, das ich als Kind besuchte. Wir waren mit einer Gruppe aus der Schule in Oberösterreich und die Lehrer*innen und Kinder meinten, dass ich übersetzen könnte, weil ich so gut Deutsch spreche. Ich war sehr stolz. Allerdings musste ich bald feststellen, dass ich den Dialekt gar nicht verstehen konnte. Ich erzählte meinen Kolleg*innen: „Die sprechen hier kein Deutsch.“ Ich dachte das wirklich.

4. Gibt es etwas aus eurer Heimat, das ihr hier vermisst?

Oana: Ich vermisse meine Familie. Ich bin seit 2012 in Österreich, eigentlich mein gesamtes Erwachsenenleben. Wenn ich an Rumänien denke, denke ich an meine Kindheit. Ich könnte daher nur sagen, dass ich meine Kindheit vermisse.

Monica: Was mir auffällt, wenn ich nach Rumänien fahre, ist, dass die Menschen dort sehr viel sprechen. Sie sind sehr offen und Menschen, die du gerade getroffen hast, stellen sehr persönliche Fragen. Egal ob im Taxi, im Restaurant oder während du in einer Schlange wartest. Es gibt sofort eine Art von Kontakt und Vertrautheit. Das geht mir hier schon manchmal ab. Andererseits habe ich mich aber auch schon verändert. In Rumänien sprichst du den ganzen Tag, vom Aufstehen bis zum Schlafengehen. Man ist nie allein. Ich weiß gar nicht, ob ich das noch aushalten könnte.

Oana: Stimmt, mir geht es auch so. Als meine Mutter mich letztens besucht hat, hat sie den ganzen Tag gesprochen. 

5. Warum soll man Rumänisch lernen?

Oana: „Die rumänische Sprache ist eine romanische Insel im slawischen Meer.“ Das hat mein Professor Michael Metzeltin von der Romanistik der Universität Wien einmal gesagt. Etymologisch gesehen hat die Sprache viele Einflüsse aus anderen Sprachen. Meine Kursteilnehmer*innen finden das immer sehr spannend.

Monica: Rumänisch hat aber auch sehr große Ähnlichkeit mit Latein. Über 70% des Wortschatzes stammen aus dem Lateinischen.

Es gibt über 30 Millionen Sprecher*innen dieser Sprache, rund zwei Drittel davon leben in Rumänien. Mit Rumänisch-Kenntnissen hat man die Chance, ein unglaublich schönes Land zu entdecken. Es gibt Berge, Seen, Kirchen, nicht zu vergessen das Donau-Delta. Und es ist nicht weit entfernt von Wien.

Rumänisch wird auch in der Republik Moldau gesprochen. Die moldawische Vertretung in Wien hat uns beim Tag der Sprachen schon großzügig unterstützt.
 



Oana: Wer außerdem mehr über die Legende von Dracula erfahren möchte, kann mit seiner Nichte einen Kurs machen. Bis(s) bald!


Hier geht es zu unseren Rumänischkursen im Sommersemester und anderen Fremdsprachen.


VNG, Redaktion Sprachenzentrum