Header Bild

Blog

6 Tipps fürs Home-Learning

Vom Klassenzimmer auf die Couch verfrachtet zu werden, klingt im ersten Moment ganz nett, doch das Home-Learning birgt auch Tücken in sich, für alle Beteiligten.

Besonders die ersten Tage können für die Lernenden frustrierend sein, weil die globale Situation angesichts der rasanten Ausbreitung des Virus, dessen Name hier nicht genannt wird, schon mal schwer zu begreifen und noch schwerer zu ertragen ist, die Lernenden mit dem neuen Unterrichtsmodus noch nicht vertraut sind, es technische Hürden zu überwinden gilt und einem/einer plötzlich Dinge abverlangt werden, die im Präsenzkurs nicht oder wenig relevant waren, zum Beispiel das Tippen am PC in der Fremdsprache oder einfach nur das stundenlange Nutzen des Computers, um am Unterricht teilnehmen zu können. Hinzu kommt in vielen Fällen wahrscheinlich auch, dass man seine Kurskolleg*innen und die Lehrperson sowie die kurzen Pausen mit den Gesprächen vermisst.

Dieser Beitrag soll dir ein paar Tipps und Anregungen für deinen Home-Learning-Alltag geben.

1.) Strukturen schaffen

Wahrscheinlich geht es dir wie vielen anderen Personen und dein normaler Tagesablauf ist in dieser speziellen Situation außer Kraft gesetzt, ja du hast sogar das Gefühl, dass das Raum-Zeit-Kontinuum aus den Fugen geraten ist.

Dein Kurs bietet dir mit seinen fixen Anfangs- und Endzeiten Struktur und einen fixen Tagesordnungspunkt.

Plane deinen Tag so, dass du auch Wiederholungsphasen und Zeit für deine Hausaufgaben, aber auch Zeit für Lernpausen hast. Strukturen können dir dabei helfen, nicht mehr „schwerelos“ im ausgangsbeschränkten Raum herumzugondeln.
 

2.) Für eine angenehme Arbeitsumgebung sorgen

Du sitzt nun schon seit Tagen oder Wochen an deinem Schreibtisch? Du kannst ihn nicht mehr sehen? Du hast das Gefühl, dass du inzwischen mit deinem Bürostuhl verwachsen bist?

Dann „übersiedle“ mal in ein neues Büro, vielleicht in die Küche, mach einen Zwischenstopp auf der Couch oder stell deinen Schreibtisch um!

Dekoriere deinen Arbeitsplatz neu oder hol dir mit einer Aromakerze neue Frische ins Arbeitszimmer!

Stell deinen PC auf einen höheren Platz und arbeite mal eine Zeit lang im Stehen.

Mach dir deinen Arbeitsplatz so schön wie möglich, achte aber darauf, dass du genug Licht hast und deine Sitz- oder Stehmöglichkeit eine gesunde Körperhaltung zulässt.
 

3.) Aus der Not eine Tugend machen ODER Wie aus Frustration Erfolg wird

Du fragst dich, wo die Umlaute auf der deutschen Tastatur sind? Wo sich das arabische Alif versteckt und wo um Himmels willen das russische K zu finden ist?

Mit diesen Fragen bist du nicht allein! Wahrscheinlich plagen sich gerade hunderte, wenn nicht tausende Online-Learning-Neulinge mit diesen Fragen herum, sollten aber keinesfalls daran verzagen.

Mein Tipp: Druck dir das fremdsprachige Tastaturlayout aus (Die deutsche Tastaturbelegung nennt man übrigens „QWERTZ“.)  und hänge es über deinem Schreibtisch auf. Schau auf das Tastaturlayout, wenn du am PC in der Fremdsprache tippst. Oder bestell dir einfach Tastaturaufkleber für die Fremdsprache im Internet! Du kannst jede Taste mit ihrer Belegung in der Fremdsprache bekleben. Damit bist du im Nu topfit im Tippen!

Aber sei nicht frustriert, wenn das Tippen in der Fremdsprache am Anfang noch langsam geht. Übung macht den Meister/die Meisterin!

Vielleicht kannst du diese Fertigkeit in der Zukunft im Studium, z. B. für Seminararbeiten, oder im Job, wenn Schriftverkehr in der Fremdsprache gefragt ist, sogar brauchen, genauso wie den sicheren Umgang mit den Web-Learning-Tools und anderen Anwendungen, die du im Online-Kurs kennenlernst!

4.) Zwischenstopp im analogen Raum: Hirn gut durchlüften

Auch wenn man in seiner privaten Wohlfühl-Oase, also zu Hause, ist und selbst wenn man in einem bequemen Outfit am Online-Kurs teilnimmt, sind auch im Home-Learning-Modus Lernpausen wichtig. Man kann die Aufmerksamkeitsspanne nicht ewig halten und auch unsere Augen und unser Kopf brauchen zwischendurch immer wieder mal Erholung.

Nimm dir eine Auszeit vom Bildschirmgeflimmer und vom WWW und komm ins Hier und Jetzt. Erde dich und mach, was deinen Körper und Geist befreit und unter den aktuellen Umständen möglich, erlaubt und vertretbar ist.

Ich persönlich shake – auch auf die Gefahr hin, von meinen Nachbar*innen durchs offene Fenster dabei beobachtet zu werden — in meinen Pausen seit Kurzem zu französischem Rap ab, obwohl ich nicht einmal Französisch spreche. Hauptsache, ich schüttel mir die Pixel aus den Augen, die Verspannungen aus den Schultern und bringe Sauerstoff in den Kopf.

Was holt dich ins Analoge zurück? Eine Handarbeit? Ostereierbemalen? Kochen? Yoga? Meditieren? Schigymnastik?

5.) Back to the roots: Hol das Digitale ins Analoge!

Wie im „herkömmlichen“ Sprachunterricht in einem Klassenzimmer ist auch das Wiederholen beim Home-Learning wichtig.

Setze dabei auf Abwechslung.

Du hast im Online-Kurs schon viele Stunden vor dem Computer verbracht, wiederhole jetzt im analogen Raum: gestalte ein Lernplakat, beschrifte die Gegenstände in deinem Wohnzimmer mit den Vokabeln in der Fremdsprache, schreib einen besonders gelungenen Text, den du am PC geschrieben hast, mit der Hand noch einmal, probier dich am Dichten in der Fremdsprache oder leg Karteikarten mit Vokabeln an…

Du bist dein persönlicher Lernmanager/deine persönliche Lernmanagerin: Hör in dich hinein und finde heraus, welche Methode oder Strategie du brauchst, um abseits vom PC in der Fremdsprache weiterzukommen.
 

6.) Sich Lernerfolge vor Augen führen

Unsere digitalen Sprachlernprodukte, z. B. getippte Texte in der Fremdsprache oder Chatnachrichten im digitalen Klassenzimmer, sind irgendwo auf unserer Festplatte oder geistern im Äther herum und sind manchmal schwer für uns zu fassen.

Ich empfehle dir: Beende deinen digitalen Lerntag mit einer Rückschau: Führ dir vor Augen, was du geschafft hast und freu dich auch über kleine Erfolge („Juhu, ich hab' endlich das scharfe S gefunden!“ oder „Endlich kann ich die irregulären Pluralformen im Englischen!“)
 

Viel Spaß beim Entdecken des digitalen Sprachlernangebots und weiterhin viel Erfolg beim Sprachenlernen, sei es offline oder online!


Raphaela Freudenberger

Dozentin für Deutsch als Fremdsprache am Sprachenzentrum der Universität Wien

Raphaela konzentriert sich neben ihrer Beschäftigung als Vollblutlehrende in ihrer Freizeit aktuell auf ihre nicht-digitalen Indoor-Hobbys wie Nähen und Kochen.