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#SprachSalat: So schmeckt Rumänisch

Die rumänische Küche – ein Teller voller Geschichte und voller Geschmäcker

Rumänisch zu kochen bedeutet die besten Einflüsse aus vielen Kulturen Europas zu übernehmen, jedoch regionale Produkte und Gewürze (aus dem eigenen Garten oder direkt vom Bauern) zu verwenden. Dazu fügt man eine Prise von Besonderem, ein Stückchen von etwas Geheimnisvollem und natürlich einen Hauch von Liebe et voilà la cuisine roumaine.

Meine Kindheit war geprägt von Polenta, Sarmale, Ciorbe, Lipii, Zacusca, Cozonac und vielem mehr. Ich versuche euch in eine unendliche, coolinarische Reise durch die rumänische Küche zu entführen, vom Dejeuner bis zum Abend(b)rot, und euch meine Lieblingsspeisen schmackhaft zu machen.

Rumänien hat in Wirklichkeit keine Frühstückskultur, wenn aber gefrühstückt wird, dann kommt gleich zu Tagesbeginn Herzhaftes wie scharfe Wurst, Eier – gekocht, gebraten oder als Rührei – und eventuell eingelegtes Gemüse (wie z.B. Salzgurkerl) auf den Tisch.

Oder ganz einfach nur: Arme Ritter – Brot in verquirltem Ei gebraten.

Zu Mittag folgen deftige Suppen mit Rind, Huhn oder einfach nur Gemüse – hiermit beginnt unsere magische Reise in die rumänischen Suppentöpfe.

Ich könnte sagen, dass die Rumänen Suppenweltmeister sind.

In keinem Land wird so viel Suppe gekocht und gegessen wie in Rumänien und noch dazu glauben sie ganz fest an deren Heilkraft. Sei es Grippe, Kälte, Unwohlbefinden, seelische Probleme oder der schlimmste Kater: alles löst sich im Nu in Luft auf. Magisch – sag’ ich doch.

Manche Suppen werden mit Essig, gegorenem Weizenkleiesaft oder Zitronensaft gesäuert. Dadurch bekommen sie den Namen ciorba/zama/bors - im Deutschen gibt es zahllose Präfixe, im Rumänischen unterschiedliche Begriffe für die verschiedenen Arten von Suppen: gesäuert, klar, dünn, dickflüssig...

Meine absolute Lieblingsciorba ist die siebenbürgische ciorba de cartofi (eine deftige Kartoffelsuppe mit Speck und eingelegtem Estragon).

Als Festtagssuppen werden Griesnockerl- oder Nudelsuppen mit frisch gehackter Petersilie serviert.

Vorspeisen werden in Form von Bauernplatten serviert: verschiedene Wurstsorten, Speck, Grammeln, Frühlingszwiebel, Brotaufstriche (zacusca  aus Paprika und Melanzani oder salata de vinete aus gebratenen und geräucherten Melanzani), eingelegte Pfefferoni und frisches Gemüse.

Beim Hauptgang dominieren verschieden Fleischspeisen, Eintöpfe und *trommelwirbel* die Sarmale.

Meiner Wahrnehmung nach dauerte die Zubereitung der Sarmale gefühlt einen Tag, aber weil ain’t nobody - außer meiner Mutter - got time for that, versuchte ich mich manchmal aus dem Staub zu machen und lieber mit meinen Freunden zu spielen, statt einen ganzen Tag Sarmale vorzubereiten (und das nur für 3 Personen!)

Sarmale sind gefüllte Sauerkrautblätter mit Reis-Faschiertem-Füllung in Sauce mit Sauerrahm und der allgegenwärtigen Polenta. Dazu wird auch noch geräuchertes Fleisch mit Sauerkraut serviert.

Bei den Nachspeisen treffen in Siebenbürgen mehrerer Kulturen aufeinander: die rumänische, österreichische und ungarische. So sind beispielsweise Papanasi ein Nationalgericht: wenn frittiert ähneln sie ein bisschen den amerikanischen Donuts, wenn gekocht den österreichischen Topfenknödel. Dazu gibt es Sauerrahm und eine warme Blaubeersauce.

In Siebenbürgen kommt auch die „Vogelmilch“ (Lapte de pasare) oft in den Speisekarten vor: in einer Vanillesauce schwimmen Eischneenockerl. In Frankreich steht es auf der Speisekarte unter dem Namen Île Flottante.

Im Rumänischen gibt es sogar eine Redewendung darüber, um unerreichbare Ziele zu betonen: so reich er auch ist, Vogelmilch hat er noch keine gegessen.

Der Legende nach wird gesagt, dass die Paradiesvögel ihre Babys mit Vogelmilch ernährt haben. Wenn der Mensch sie gekostet hat, war er immun gegen Krankheiten und unverwundbar.

Zum Abend(b)rot wird oft die beliebte Hirtenspeise Bulz gegessen: aus dem gekochten Maisgrieß wird eine Kugel geformt mit würzigem Schafskäse gefüllt und anschließend im Ofen gebacken.

Die rumänische Sprache wird oft metaphorisch als eine romanische Insel im slawischen Meer beschrieben. Das ist bei der rumänischen Küche nicht anders. Auch sie ist inmitten des Meeres der unterschiedlichsten Kulturen angesiedelt.

Dadurch konnte sie die kulinarischen Höhepunkte aus allen umgebenden Strömungen in ihren eigenen Gerichten vereinen. Was daraus entstanden ist, ist „The best of the best!“

Beim Tag der Sprachen Event #Sprachsalat könnt ihr in all das hineinschnuppern: die rumänische Küche, Kultur und Sprache!


Oana Hodirnau unterrichtet am Sprachenzentrum die Sprachen Deutsch und Rumänisch. Am Tag der Sprachen leitet sie eine Schnupperstunde für Rumänisch.